MTT - MP1 vs CO Rangekonstruktion

    • MTT - MP1 vs CO Rangekonstruktion

      Folgende Hand hab' ich mir mal rausgesucht, um meine spieltheoretischen Fähigkeiten ein bisschen auszutesten, würde mich freuen wenn jemand drüberschaut;)

      PokerStars - €9+€9+€2|30/60 Ante 5 NL - Holdem - 9 players
      Hand converted by PokerTracker 4

      Hero (MP+1): 3,974
      MP+2: 3,420 (VPIP: 29.41, PFR: 11.76, 3Bet Preflop: 8.33, Hands: 17)
      CO: 3,015 (VPIP: 11.76, PFR: 5.88, 3Bet Preflop: 10.00, Hands: 17)
      BTN: 5,815 (VPIP: 16.67, PFR: 11.11, 3Bet Preflop: 0.00, Hands: 18)
      SB: 2,393 (VPIP: 20.31, PFR: 11.67, 3Bet Preflop: 4.55, Hands: 65)
      BB: 2,497 (VPIP: 20.71, PFR: 18.67, 3Bet Preflop: 8.20, Hands: 170)
      UTG: 3,130 (VPIP: 16.67, PFR: 15.00, 3Bet Preflop: 9.09, Hands: 24)
      UTG+1: 2,750 (VPIP: 37.50, PFR: 25.00, 3Bet Preflop: 0.00, Hands: 16)
      MP: 2,641 (VPIP: 18.68, PFR: 10.11, 3Bet Preflop: 2.78, Hands: 91)

      9 players post ante of 5, SB posts SB 30, BB posts BB 60

      Pre Flop: (pot: 135) Hero has :8d :7d

      fold, fold, fold, Hero raises to 153, fold, CO calls 153, fold, fold, fold

      Flop: (441, 2 players) :qs :6c :ac
      Hero bets 304, CO calls 304

      Turn: (1,049, 2 players) :9h
      Hero bets 660, CO calls 660

      River: (2,369, 2 players) :3c
      Hero bets 2,852 and is all-in, CO calls 1,893 and is all-in

      Display Spoiler
      Hero shows :8d :7d (High Card, Ace)
      (Pre 42%, Flop 5%, Turn 18%)
      CO shows :as :qc (Two Pair, Aces and Queens)
      (Pre 58%, Flop 95%, Turn 82%)
      CO wins 6,155


      Möchte zunächst mal ganz gerne isoliert den Flop betrachten und hierfür eine solide Strategie erarbeiten. Ich arbeite mal mit folgenden preflop Ranges:

      Hero (MP1): 55+,A2s+,K9s+,Q9s+,J9s+,T8s+,98s,87s,76s,ATo+,KJo+,QJo,KdTh,KhTd,KsTd,KcTd,KdTs,KdTc (19%)



      Villain (CO): 66-TT,ATs-AQs,KTs+,QTs+,JTs,T9s,AJo-AQo,KQo,AdKd,AdKh,AdKs,AhKd,AdTh,AdTs,AdTc,AhTd,AsTd,AcTd,KdKs,QdQs,JdJc,JdJs,JdJh,AhAs



      Über die Ranges kann man streiten. Habe der Flatting Range mal jeweils eine Kombi QQ-AA sowie 4 Kombis AK gegeben..

      Generell denke ich, dass Hero in dem Spot schon Range Advantage hat, da er eben viel mehr AA, QQ und AK in der Range hat (wobei dieser Effekt durch das Adden von Kombis in die Flatting Range etwas abgeschwächt wird). Ich bin den Spot deshalb trotzdem mal in der Annahme angegangen, dass Hero viel betten kann.

      Zunächst mal wollte ich herausfinden, welche Hände für 3 Streets Value gehen können vs Villains Range mit gegebenen Sizings:

      River: bet 1,9k in 2,4k -> Villain muss > 56% seiner Riverrange defenden (1 - 1,9 / (1,9 + 2,4))

      Turn: bet 660 in 1050 -> Villain muss > 62% seiner Turnrange defenden.

      Flop: bet 300 in 440 -> Villain muss > 59% seiner Floprange defenden.

      Zusammen: 0,56 * 0,62 * 0,59 = 20%

      -> Villain müsste also grob 20% seiner Floprange bis zum SD runtercallen gegen 3 Barrels (in dem konkreten Spot kann Villain vermutlich sogar etwas mehr defenden, da er in Position ist)

      -> wir haben eine Valuebet, wenn uns mehr schlechtere als bessere Kombis callen, also darf unsere Bet nicht gegen mehr als 0,5 * 20% = 10% von Villains Floprange hinten sein. (Vorsicht, statisches Modell)

      Villains Flatting Range besteht nach Board Removal am Flop aus genau 100 Kombis. Oben haben wir ja berechnet, dass Villain auf jeder Street ca. 60% defenden müsste, um uns keinen Autoprofit zu geben - da er hier in Position ist, lassen wir ihn zumindest auf Flop und Turn noch etwas weiter defenden:

      Flop



      Turn



      River

      Display Spoiler
      Hier wird's jetzt exakter und Villain sollte wirklich sehr nahe an den geforderten 56% defenden. Das sähe dann so aus:

      56%



      Hier also Villains River Calling Range vs 3. Barrel in Kombis:

      66,AQs,AQo,AdJc,AhJc,AsJc,AcJd,AcJh,AcJs,AdTc,AcTd,KcQc,KcJc,KcTc,QdQc,QsQc,QcJc,QcTc,JcTc,Tc9c,AdAh (25)

      AJ und AT lasse ich nur diejenigen mit Flushblocker callen. Wie man sieht sind es hier jetzt 25 Kombis und damit etwas mehr als 20% der Floprange, was aber auch daran liegt, dass Villain in Position eben etwas mehr defenden kann.

      Wir können jetzt alles valuebetten, was mindestens 13 der 25 Kombis schlägt. Das wären dann alle Sets und Flushes.

      An Sets und Flushes gebe ich uns mal: 66, QQ, KcTc,Kc9c,JcTc,Jc9c,Tc9c,Tc8c,9c8c,8c7c,KcJc (15)
      Am Flop sind nur 6 Kombis davon Valuebets. AA lasse ich Hero ch/callen.

      Jetzt das Thema Value/Bluff Ratio:

      Man schaut sich an mit welchen Betsizes wir die 3 Streets betten und entwickeln daraus die Value/Bluff Ratio, mit der wir Villain auf allen Streets indifferent stellen zwischen Call und Fold. Modell ist dabei halt perfekte Polarisierung Nuts/Air vs Bluffcatcher.

      River: bet 1,9k in 2,4k -> Villain kriegt 31% Odds -> wir müssen zu 69% Value betten.

      Turn: bet 660 in 1050 -> Villain kriegt 28% Odds -> wir müssen zu 72% den River betten (weil Villain immer dann wenn wir mit balanced Range den River betten die Hand effektiv verloren hat), Villain gewinnt also in den 28% der Fälle, in denen wir mit Air den River checken.

      Flop: bet 300 in 440 -> Villain kriegt 29% Odds -> wir müssen analog zu 71% den Turn weiterbetten.

      Zusammen: 0,69 * 0,72 * 0,71 = 35% (Valueanteil am Flop, der auch bis zum River durchbetted)

      Allerdings beruht die Rechnung ja auf einem sehr statischen Modell.
      Einige Probleme bei der Anwendung in der Praxis:

      - Modell unterstellt, dass alle Flop-Valuebets auch am River noch Valuebets sind und 3 Streets durchbetten. Das ist auf vielen Runouts nicht möglich.
      - Wir haben auch Valuebets, die nur 2 Streets betten.
      - Unsere Bluffs haben zum Teil erhebliche Equity vs Villains Calling Range.
      - welche Rolle spielt der Positionsvorteil?

      Ist jetzt also fraglich, inwiefern die 35% hier Sinn machen/realistisch sind bzw. welcher Wert sinnvoll scheint. Ich gehe davon aus dass der Wert deutlich zu niedrig ist und 40-45% overall vielleicht eher sinnvoll wären, da viele unserer Flopbets auf vielen Runouts keine 3 Streets valuebetten können.

      Sooo, wir haben also jedenfalls 6 Valuebets, die bis zum River durchbetten können. Wie oben errechnet sollten diese 6 Kombis 35% unserer Flopbetting-Range ausmachen, den Rest müssen wir mit Bluffs auffüllen. Daher rechnen wir jetzt einfach mal mit 2 Bluffs für jede der 6 Valuekombis, ich denke das sollte reasonable sein. Wir sind damit bei 6 Valuebets und 12 Bluffbets am Flop. Problematisch ist hier die ergebnisorientierte Betrachtung - auf vielen Boardrunouts könnten wir wohl auch AQ 3 Streets valuebetten, hier aber nicht - und das ist genau das Problem des Modells perfekter Polarisierung.

      Jetzt haben wir aber auch noch Hände, die 2 Streets Value anpeilen - hier müsste man genau genommen das selbe Spiel wiederholen, nur diesmal würde man eben nur 2 Streets betrachten. Wir gehen jetzt einfach mal davon aus, dass wir A6s sowie AJ-AK für 2 Streets Value betten wollen und können. Anstatt 35% kommt man hier dann mit realistischen Betsizes ungefähr auf einen Flopvalue-Anteil von 50%, sprich wir wollen für jede unserer 2 Streets-Valuebets auch genau eine Bluffkombi.

      A6s, AJ-AK sind am Flop 36 Kombis, wir adden also nochmal 36 Bluffs und landen gesamt bei:

      42 Valuekombis, 48 Bluffs

      Starke Draws, also unsere 9 FDs am Flop, sind außen vor, da wir diese nicht als pure Bluffbets zählen.

      Hier jetzt eine Floprange mit 42 Valuekombis, 48 Bluffs und den 9 FDs:



      Was ist von dieser Range zu halten? Ist die Value/Bluff Ratio reasonable und macht es generell Sinn, hier am Flop so viel zu betten?

      Weitere Fragen:

      - Was macht man hier mit 99-77 bspw.? Wären diese pockets nicht sogar bessere Bluffs als meinetwegen 87s (ohne Backdoor-FD), weil sie immerhin 2 direkte Outs auf eine nutted hand haben?
      - Wie bauen wir hier eine gute Checking Range, wenn wir so viel unserer Air betten? Wir brauchen ja auch ch/folds bzw. Hände, die wir am Turn delayed CBet bluffen können. Ist hier die einzige Lösung, mehr Valuebets zu ch/callen (um wiederum mehr Air ch/folden zu können)? Gerade AJ würde als ch/call vermutlich eh besser performen, da Villain seine Draws ja oft selber betted.
      - Wie nahe ist das Ganze hier an einer spieltheoretisch optimalen Range? Würde der GTO Bot hier ganz anders spielen und bspw. extrem viel checken? Sind die Frequencies doch gar nicht gut wie ich sie ermittelt habe? Und wie löst man spieltheoretisch eigtl. das Problem, dass man Villain ja erstmal eine Range zuordnen muss, um eigene Valuebets etc zu ermitteln?
      Scheiß auf Poker, ich mach jetzt Zumba.

      The post was edited 1 time, last by paetrickseimurda ().

    • Du verfolgst ja auch das Mathlab von Bigfisz, da ging es auf den letzten Seiten ja auch um MDF bzw. 1-a und wieso es am Turn und Flop nicht gilt bzw. nicht direkt anwendbar ist.
      Einen Riverspot kannst Du wenn Du dem Solver Ranges für beide Spieler gibst auch umsonst solven. Villain's Triple Barreling Range korrekt zu erfassen wird das Problem sein. Du kannst hier so rangehen das Du diese Range immer weiter manipulierst um zu schauen wann Deine Bluffcatcher wie relevant werden, sprich wie muss ich gegen welches Sizing callen wenn Villain x% Nut-Equity hat die immer meine Bluffcatcher schlägt. Villain wird durch die Action am River praktisch immer nahezu perfekt polarisiert sein, entscheidend daran wie capped Du überhaupt schon durch den Flat pre bist wie viel Druck er auf Deine Range machen kann.
    • Alles gute überlegungen aber leider hat bisher scheinbar niemand die Zeit oder Lust das so genau durchzugehen :)

      Ich sag mal nur was zur Hand:
      Flop cbet viel zu loose, das wird niemald +EV wenn villain nicht gerade preflop viel schrott callt.
      Wenn du sowas cbettest, dann definitiv kleiner.

      Turn size eher zu klein, aber ok. Betten musst du sicher, gibt keine andere Option. Villeicht XR wenn er viel zu viel stabbt (oder Ax auf XR weglegt), aber das ist non-standard.

      River flush ohne flushkarte nicht bluffen. Wird nicht super -EV sein, aber sollte -EV sein.